FBMA-Stiftung ehrt Hermann Bareiss mit der 69. Brillat-Savarin-Plakette

FBMA Stiftung – 69. Brillat Savarin-Plakette – Preisverleihung 2026

Renommierte Auszeichnung würdigt das Lebenswerk des Seniorchefs des Hotel Bareiss und sein herausragendes Engagement für Gastlichkeit und Tafelkultur

Baiersbronn/Ranstadt, 17. Juni 2026 – Die FBMA-Stiftung hat Hermann Bareiss, Seniorchef des Fünf-Sterne-Superior-Resorts Bareiss in Baiersbronn, mit der 69. Brillat-Savarin-Plakette ausgezeichnet. Die feierliche Verleihung fand am 17. Juni 2026 im Hotel Bareiss statt – im Beisein seiner Familie sowie zahlreicher Gäste aus Hotellerie, Gastronomie, Wirtschaft und Politik. Die Laudatio hielt der Journalist H. P. O. Breuer.

Die Brillat-Savarin-Plakette

Mit ihrer nahezu 70-jährigen Geschichte zählt die Brillat-Savarin-Plakette zu den bedeutendsten Auszeichnungen des deutschen Gastgewerbes. Sie ehrt Persönlichkeiten, die Gastronomie und Hotellerie durch unternehmerische Leistung, Innovationskraft und nachhaltiges Wirken maßgeblich geprägt haben. Benannt nach dem französischen Schriftsteller und Feinschmecker Jean Anthelme Brillat-Savarin, steht die Auszeichnung für Spitzenleistungen und bleibende Werte in der Kulinarik. Seit 2007 wird sie von der FBMA-Stiftung verliehen.

Auszeichnung für ein außergewöhnliches Lebenswerk

Hermann Bareiss hat das Hotel Bareiss über Jahrzehnte hinweg zu einem international anerkannten Spitzenhaus entwickelt. Im Jahr 2026 blickt er auf 75 Jahre Hotel Bareiss und 60 Jahre Gastgebersein zurück. Mit feinem Gespür für die Bedürfnisse seiner Gäste, kompromissloser Qualitätsorientierung und einem tief verwurzelten Verständnis von Gastlichkeit setzte er Maßstäbe in Servicekultur, Kulinarik und Unternehmertum.

„Sie sind Gastgeber, Heimatbotschafter, Nachwuchsförderer – international engagiert und doch fest verwurzelt im Schwarzwald, in Baiersbronn, in dieser Gemeinschaft“, so der Stiftungsratsvorsitzender Konrad Pötzel. „Wir ehren heute nicht nur ein außergewöhnliches Lebenswerk. Wir ehren eine Haltung, eine Art, Menschen zu begegnen. Die Überzeugung, dass Gastlichkeit mehr ist als Service – nämlich Ausdruck von Respekt, Herzlichkeit und echtem Interesse am Menschen,“ hob Pötzel hervor.

Brillat-Savarin als Inspiration

Der ehemalige Stiftungsratsvorsitzende Michael Bläser erinnerte an die Philosophie des Namensgebers der Plakette, dessen bahnbrechendes Hauptwerk „Die Physiologie des Geschmacks“ im Jahr 1826 erschein. Für Brillat-Savarin sei Essen kultureller Ausdruck, Spiegel der Gesellschaft und Teil einer anspruchsvollen Lebenskunst gewesen.

„Wenn wir den Namen Jean Anthelme Brillat-Savarin hören, begegnen wir einem Denker, der seiner Zeit weit voraus war. Er verstand es, Genuss mit Ernsthaftigkeit zu verbinden – und Ernsthaftigkeit mit einer guten Portion Ironie. Sein berühmter Satz ‚Sage mir, was du isst, und ich sage dir, wer du bist‘ hat bis heute nichts von seiner Aktualität verloren.“

Michael Bläser nahm die Festgäste mit auf eine Reise durch 200 Jahre Gastronomiegeschichte und schlug die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. „Denn am Ende gilt – ganz im Sinne Brillat-Savarins: Ein gutes Essen nährt den Körper. Ein sehr gutes Essen nährt die Seele. Und ein unvergesslicher Abend entsteht dann, wenn beides zusammenkommt.“

Hermann Bareiss (Mitte) mit der 69. Brillat Savarin-Plakette
FBMA Stiftung – 69. Brillat Savarin-Plakette – Preisverleihung 2026
Klaus-Günther Wiesler, Konrad Pötzel, Lena Kraft, Hermann Bareiss, Britta Bareiss, Hannes Bareiss

Klaus-Günther Wiesler, Konrad Pötzel, Lena Kraft, Hermann Bareiss, Britta Bareiss, Hannes Bareiss

Michael Bläser bei seiner Rede „Gedanken zu Brillat-Savarin“
FBMA Stiftung – 69. Brillat Savarin-Plakette – Preisverleihung 2026
FBMA Stiftung – 69. Brillat Savarin-Plakette – Preisverleihung 2026

Eine Laudatio aus berufenem Mund

P. O. Breuer ist dem Hotel Bareiss seit mehr als vier Jahrzehnten eng verbunden. In seiner Laudatio zeichnete er die wichtigsten Stationen im Leben von Hermann Bareiss nach und würdigte dessen unternehmerische Leistung ebenso wie seine menschliche Größe.

„Das Bareiss ist nicht vergleichbar“, stellte H. P. O. Breuer fest. „Im Bareiss spüren die Gäste die Nestwärme des Hotels und die Herzenswärme der Gastgeber.“ Er schilderte Hermann Bareiss als eine Persönlichkeit, die bei anderen die Begeisterung für die Gastronomie und die Freude am Dienst am Gast zu entfachen vermag.

Das Glück der Gäste

Unter dem lang anhalten Beifall der Gäste überreichten der Stiftungsratsvorsitzende Konrad Pötzel und der Geschäftsführer Klaus-Günther Wiesler die Urkunde und die Plakette, eingelassen in einen handverlesenen, 258 Millionen Jahre alten Zechstein.

Tief bewegt nahm Hermann Bareiss die Auszeichnung entgegen. Er äußerte seine große Freude über die Ehre und widmete den Preis seinen Mitarbeitenden sowie den Gästen – als Dank dafür, die tragenden Säulen der Bareiss-Gastlichkeit zu sein. „Die Gast- und Tafelkultur, für die die Brillat-Savarin-Plakette steht, wurde und wird im Wechsel der Zeiten vom ganzen Bareiss-Team Tag für Tag gelebt und ins Tun übersetzt. Für wen tun sie’s?
Für unsere Gäste, für die dieser Preis ebenfalls steht. Deswegen bin ich so frei, die Brillat-Savarin-Plakette nicht für mich allein zu behalten. Sondern sie in vollster Überzeugung unseren Mitarbeitern und unseren Gästen zu widmen.“

Zudem sprach er einen Toast auf die Branche aus – in Anerkennung ihrer Professionalität, Leidenschaft und des starken Zusammenhalts. Mit einem Bekenntnis zur Bedeutung der Familie schloss Hermann Bareiss sein Dankeswort: „Ich weiß das Bareiss und seine Zukunft in besten Händen. Es macht mich sehr glücklich!“, bezog der Seniorchef Hannes und Britta Bareiss in die Ehrung mit ein.

Hochrangige Gäste und Wegbegleiter

Zu den Ehrengästen zählten zahlreiche frühere Trägerinnen und Träger der Brillat-Savarin-Plakette, darunter Roland Burtsche vom Colombi Hotel Freiburg, Ingo C. Peters vom Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten Hamburg, Dr. Anna-Maria und Michael Fäßler vom Sonnenalp Resort, Dr. Caroline von Kretschmann vom Hotel Europäischer Hof Heidelberg sowie Jan-Berend Holzapfel vom Teehaus Ronnefeldt, stellvertretend für seinen Vater Frank Holzapfel.

Zu den Gratulanten gehörten außerdem die Landtagsabgeordnete Katrin Schindele, Landrat Andreas Junt, Freudenstadts Oberbürgermeister Adrian Sonder, der Baiersbronner Bürgermeister Michael Ruf sowie zahlreiche Hoteliers und Gastronomen aus der Region und dem benachbarten Frankreich ebenso wie Vertreter der Fach- und Publikumspresse.

Auf die Verleihung in der Bibliothek folgte das Festmenü im Hotelrestaurant. Serviert wurde ein Gourmet-Menü – eine exquisite Speisenfolge zusammengestellt von Drei-Sterne-Koch Claus-Peter Lumpp und zubereitet von den Teams des Sternerestaurants Bareiss und weiterer Hotelrestaurants. Mit Standing Ovations würdigten die Gäste die Spitzenleistung der weißen und schwarzen Brigade zum Abschluss des Festtages, der – ganz im Sinne von Brillat-Savarin  – kulinarische Exzellenz, Kultur, Begegnung und Lebensfreude vereinte.

Hermann Bareis im Kreis früherer Plakettenträger und Stiftungsratsmitgliedern. V.lks. Michael Fäßler, Dr. Anna-Maria Fäßler, Roland Burtsche, Georg Broich, Konrad Pötzel, Hermann Bareiss, Klaus-Günther Wiesler, Jan-Berend Holzapfel, Dr. Caroline von Kretschmann, Rolf Westermann, Ingo C. Peters

Hermann Bareis im Kreis früherer Plakettenträger und Stiftungsratsmitgliedern. V.lks. Michael Fäßler, Dr. Anna-Maria Fäßler, Roland Burtsche, Georg Broich, Konrad Pötzel, Hermann Bareiss, Klaus-Günther Wiesler, Jan-Berend Holzapfel, Dr. Caroline von Kretschmann, Rolf Westermann, Ingo C. Peters

Hermann Bareiss: „Erfolg ist kein Geheimnis“

Interview von Rolf Westermann, Journalist und Stiftungsratsmitglied, mit Hermann Bareiss anlässlich der Verleihung der 69. Brillat-Savarin-
Plakette

Der Ausnahme-Hotelier Hermann Bareiss erhält eine weitere bedeutende Auszeichnung. Am 17. Juni wurde der Patron des renommierten Hotels Bareiss im Schwarzwald mit der Brillat-Savarin-Plakette geehrt. Im Interview mit Rolf Westermann spricht er über Tradition, Veränderung und Momente, in denen er nicht mehr weiterwusste.

Hermann Bareiss, herzlichen Glückwunsch zur Brillat-Savarin-Plakette. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Die Brillat-Savarin-Plakette ist in Deutschland eine der angesehensten Auszeichnungen, die die Branche vergibt. Es ist mir eine Ehre, nunmehr zu den Plakettenträgern gehören zu dürfen.

Sie feiern in diesem Jahr Doppeljubiläum, 60 Jahre als Gastgeber, und das Hotel ist 75 Jahre alt geworden. Was ist das Geheimnis ihres Erfolgs?

Das ist kein Geheimnis. Erfolg ist die Summe der Bestandteile von Fleiß, Ehrgeiz, Zielgerichtetheit, Unbeirrbarkeit, Ausdauer, positivem Denken und Handeln. Dazu gehören die richtigen Partner und die richtigen Zeitpunkte. Es kommen noch hinzu die Anteile von Eignung und Glück, für die einer selber nichts kann. Er muss sie halt nutzen können und wollen.

Wie gehen Sie mit dem Thema Traditionen und Veränderung um?

Die Frage, glaube ich, kann Ihnen jeder Gast und die können Sie selber beantworten. Sie kennen das Bareiss ja seit langem. Das Haus hat sich im Innenarchitektonischen, Gestalterischen und in seinen Angeboten im Lauf sich ändernder Zeiten, Geschmäcker und Gästewünsche diesem Wandel angeglichen oder war ihm oft auch voraus. Kein Feriengast hat in den 1970er Jahren nach Suiten gefragt oder 1982 um ein Restaurant Bareiss und 1992 um die Dorfstuben gebeten. Niemand hat 2003 die Restaurierung des Morlokhofs vorgeschlagen oder 2005 den Bau der Naturbadeteich-Anlage und der Wanderhütte Sattelei oder 20 Jahre später eine komplett neue Suiten-Etage gewünscht. Das waren stets Investitionen, die dem Gebot der von uns so gesehenen Stunde oder der Zukunft gefolgt sind. Gastfreundschaft und Gastlichkeit hingegen, mit ihren unzähligen Ingredienzen von Verständnis, Rücksichtnahme, Entgegenkommen, Herzlichkeit, Liebenswürdigkeit und so weiter – ich würde sagen, die haben weniger mit Tradition, als mit menschlich-seelischen Grundbedürfnissen zu tun, denen wir im Bareiss mit diesen beiden Grundauffassungen unseres Tuns und Einsatzes begegnen: Für den Gast gibt es kein Nein. Und: immer mit dem Herzen dabei sein.

Gab es Momente, in denen Sie nicht mehr weiterwussten und wie haben Sie die vertrackte Situation gelöst?

Zwei Beispiele. Ich war junger Hotelier und Unternehmer, als uns während des Baus des viergeschossigen Bettentrakts die Bank 1973 von heute auf morgen, unsererseits unverschuldet, den Kredit aufkündigte. 1993 hatten wir, wiederum unverschuldet, einen Küchenbrand und mussten das Hotel für zwei Monate schließen. Sie haben das zutreffende Wort gewählt: Es sind nur Momente, in denen Sie sich den Luxus leisten können, nicht weiter zu wissen. Vielmehr müssen Sie zügig in einer Quadratur des Kreises aus Raschheit und Umsicht, Klugheit und Risikobereitschaft, Schnelligkeit und Gründlichkeit entscheiden, zum Status quo ante zurückzukehren oder den aktuellen Stillstand zum Fortschritt zu nutzen, wie wir das gemacht haben: Ich habe den Bau des Bettentrakts, nach einem gut beratenen Wechsel der Bank, durchgezogen und fertiggestellt. Und der Küchenbrand hat in professionell geführten Gesprächen mit Bank und Versicherungen und in persönlichem Volleinsatz für Planung und Umsetzung eine auf mehrere Jahre angelegte atmosphärische Neuausrichtung des ganzen Bareiss zur Folge gehabt.

Wie gelingt es ihrer Familie, ein so großes Resort mit all diesen Erweiterungen so erfolgreich zu gestalten?

Hannes Bareiss, seine Frau Britta, ich selber, wir haben unseren Beruf von Grund auf gelernt. Wir sind Professionals. Wir haben Führungsstärke und – erfahrung. Unternehmertum und Gastgebertum liegen in der DNA von uns allen Dreien. Wir wissen, was wir können und wohin wir das Unternehmen führen wollen. Glück und Zufriedenheit unserer Gäste sind der Maßstab für den Hotelalltag und für Zukunftspläne. Glück und Zufriedenheit unserer Mitarbeiter gehen uns über alles: keine noch so große berufliche Kompetenz und Versiertheit im Fachlichen führt zum Erfolg, wenn sich Glück und Zufriedenheit der Mitarbeiter, ihre Identifikation und Loyalität mit dem Haus nicht auf die Gäste übertragen. Das größte Kapital ist das Vertrauen, das unsere Familie mit den Bareissianern und umgekehrt verbindet.

Was bringt die Mitgliedschaft bei Relais & Châteaux?

Die Klasse und das Niveau der angeschlossenen Hotels macht die Vereinigung zum weltweit geachteten Gütesiegel. Beachten Sie bitte diese Reihenfolge: die Erstklassigkeit der Mitgliedbetriebe macht Relais & Châteaux zu dem, wozu es sich entwickelt hat: eine ernst genommene Luxus-Marke, die für die Gäste ein Garant für Qualität und Exzellenz ist. Daraus ergibt sich alles Weitere: ein gutes Marketing, ein guter Vertrieb, ein guter Verkauf.

Was überrascht Sie noch heute?

Es überrascht mich, wohl unvernünftigerweise, wie unvermindert verführbar unsere Gesellschaften für den Ruf nach dem starken Mann sind, für totalitäre Systeme, für die einfachen Lösungen im Komplexen und Schwierigen, für Einseitigkeiten und Intoleranz. Wobei ich sagen sollte, dass es mich eher erschreckt, als überrascht. Dagegen überrascht mich wirklich, wie sehr, sehr dankbar unsere Gäste sind und es auch sagen und zeigen, wenn man ihnen mit seinem Beruf Gutes tut, was man selber für selbstverständlich hält. Und es überrascht mich, je älter ich werde, mit wieviel Respekt, Zuneigung und auch Liebe man mir begegnet, was ich noch keinmal für selbstverständlich gehalten habe und wofür ich sehr dankbar bin.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Um es mit dem vielleicht etwas unterschätzten, dabei großen Kabarettisten Jürgen von Manger auf diesen Punkt zu bringen: Mensch bleiben.